Auferstanden aus Ruinen: Warum wir 1990 die falsche Hymne gewählt haben
Manchmal, wenn ich zur Ruhe komme, schweifen meine Gedanken in die Geschichte ab. Wir feiern die Einheit, wir haben das Grundgesetz. Aber haben wir auch die richtige Musik dazu? Ich möchte heute eine steile These aufstellen, die vielleicht provoziert, aber mir am Herzen liegt: Die Hymne der DDR („Auferstanden aus Ruinen“) wäre die bessere, würdigere Nationalhymne für das vereinte Deutschland gewesen.
Hört mal genau hin
Hört euch diese Melodie und vor allem den Text einmal unvoreingenommen an. Schließt die Augen und lasst die Worte wirken.
Es geht mir nicht um Nostalgie für einen gescheiterten Staat. Es geht um die Botschaft, die wir 1990 in die Welt hätten senden können.
Die Last der Geschichte
Deutschland trägt eine tonnenschwere geschichtliche Last. Wir sind das Land, das den Zweiten Weltkrieg entfesselt hat und dessen Geschichte im 20. Jahrhundert von zwei verheerenden Kriegen geprägt ist. Genau hier setzt der Text von Johannes R. Becher an. Er ist keine pompöse Selbstbeweihräucherung. Er ist eine Mahnung und ein Versprechen zugleich.
Die Zeile „Dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint“ rührt mich jedes Mal zu Tränen. Das ist der Kern unserer historischen Verantwortung: Nie wieder Krieg. Nie wieder Leid, das von deutschem Boden ausgeht.
Welches „Einigkeit und Recht und Freiheit“ kann diese tiefe, humanistische Botschaft übertreffen?
Einig Vaterland?
Und dann die Zeile: „Deutschland, einig Vaterland“.
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass dieser Text in der DDR später nicht mehr gesungen werden durfte, weil er den Machthabern zu gesamtdeutsch war. Dieser Text drückt einen Wunsch nach Einheit und Frieden aus, der nicht fordert, sondern dient („Lass uns dir zum Guten dienen“).
Eine verpasste Chance für den Neuanfang
ch glaube, 1990 hatten wir die Chance auf einen echten symbolischen Neuanfang. Wir hätten der Welt zeigen können: „Seht her, wir haben aus der Geschichte gelernt. Wir wählen eine Hymne, die Frieden und Aufbau in den Mittelpunkt stellt.“
Wir haben uns für die Tradition entschieden. Aber in meinem Herzen ist die Melodie von Eisler der wahre Soundtrack für ein Deutschland, das sich seiner Verantwortung bewusst ist.
Euer Mike
