1 % Akku: Wenn Funktionieren zur Substanzfrage wird

18.06.2026

Herzlich willkommen zu meinem nächsten Beitrag. Heute gebe ich Euch sehr persönliche Eindrücke.

Es gibt diese Tage, an denen mein Wecker morgens nicht einfach nur klingelt, sondern sich anfühlt wie ein körperlicher Angriff. Ich öffne die Augen, und noch bevor meine Füße den Boden berühren, weiß ich: Mein Tank ist leer. Nicht nur ein bisschen erschöpft vom Vortag – sondern absolut, restlos leer.

In genau dieser Phase befinde ich mich jetzt. Mein letzter Urlaub liegt im Februar, was sich anfühlt wie ein halbes Leben her. Seitdem gab es für mich nur eine Richtung: Funktionieren. Die letzten Wochen und Monate im Verkauf an der vordersten Front waren unbarmherzig und haben mich sowohl körperlich als auch psychisch massiv Substanz gekostet.

Wer wie ich im Einzelhandel arbeitet, weiß, was das bedeutet. Ich gebe jeden Tag Energie ab – an Kunden, an Abläufe, an das System. Aber irgendwann habe ich nichts mehr, was ich noch abgeben könnte.

Wenn die mentale Geduld dünner wird

Die Erschöpfung zeigt sich bei mir momentan auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die reine, bleierne Müdigkeit in meinen Knochen nach einer langen Schicht. Aber viel intensiver ist die mentale Komponente: Meine innere Geduld, die sonst wie ein dicker Schutzwall funktioniert, ist hauchdünn geworden. Kleinigkeiten kosten mich plötzlich Kraft, die ich eigentlich gar nicht mehr aufbringen kann.

Wir leben in einer Social-Media-Welt, die uns permanent einredet, wir müssten immer Höchstleistung erbringen. „Hustle“, „Grind“, immer produktiv sein. Doch meine Realität sieht anders aus. Manchmal ist 1 % alles, was ich noch übrig habe. Und mein verdammt ehrliches Eingeständnis, im Moment am Anschlag zu sein, ist für mich keine Schwäche. Es ist einfach nur menschlich.

Zwei Wochen bis zur absoluten Ruhe

Knapp zwei Wochen muss ich jetzt noch durchhalten – bis zum 4. Juli. Diese verbleibenden Tage zähle ich im Moment nicht aus Verzweiflung, sondern wie ein Läufer, der die letzte Runde auf der Aschebahn dreht. Das Stadion ist in Sicht, aber meine Beine wiegen eine Tonne.

Was mich morgens überhaupt noch aufstehen lässt, ist ein ganz klares Bild in meinem Kopf: Kein Wecker, keine Termine, keine Schichtpläne. Einfach nur drei Wochen absolute, ungestörte Ruhe und endlich wieder Zeit für die Dinge, die bei mir im Alltag viel zu kurz kommen. Zeit für meine Hobbys, zum Abschalten, zum Regenerieren.

Mein Akku blinkt rot, aber meine Ziellinie steht fest im Kalender. Die letzten Meter werden für mich die härtesten, aber ich werde sie laufen.

Geht’s Euch ähnlich schreibt es gerne in die Kommentare.

Bis bald !

Euer Mike